7. Dezember: Yemisi Ogunleye
  07.12.2023 •     BLV


Beim BLV-Adventskalender 2023 öffnet sich bis zum 24. Dezember täglich ein Türchen, hinter dem sich ein Athleten-Portrait verbirgt. Traditionell finden die Rück- und Ausblicke unserer Athletinnen und Athleten ihren Weg ins BLV-Jahrbuch – in diesem Jahr werden sie zusätzlich in zufälliger Reihenfolge als Adventskalender präsentiert.


Yemisi Magdalena Ogunleye

MTG Mannheim

Weltmeisterschaften – 10. Platz im Kugelstoßen
Team-Europameisterschaften – 2. Platz
European Throwing Cup – 2. Platz
Deutsche Meisterschaften – 2. Platz
Deutsche Hochschulmeisterin

Die vergangene Saison war für Yemisi ein regelrechtes Märchen. Mit beeindruckenden Leistungen und einem eisernen Willen kämpfte sie sich aus Zweifeln und Verletzungen zurück, um schließlich bei den Weltmeisterschaften in Budapest im Finale zu stehen. Die Kugel, die im Vorjahr noch 18,14 Meter weit flog, katapultierte sie in der Qualifikation der Weltmeisterschaften auf erstaunliche 19,44 Meter. Yemisi, auch Yemi genannt, übertraf in diesem Jahr gleich vier Mal die 19-Meter-Marke und etablierte sich somit fest in der internationalen Weltspitze.

Die Wintersaison 2022 begann für die 25-jährige Athletin mit erheblichen Zweifeln. Die vergangenen Kreuzbandrisse und wiederkehrende Probleme stellten ihre sportliche Zukunft in Frage. Als Sonderpädagogik-Studentin stand sie zudem vor dem Abschluss ihres Bachelorstudiums und der Überlegung, in die Berufswelt einzusteigen. Der Gedanke, ihr volles Potenzial noch nicht ausgeschöpft zu haben, quälte sie. Doch Yemi entschied sich nicht nur für den Leistungssport, sondern auch für einen frischen Wind in ihrem Trainerteam. Gemeinsam mit ihrer Trainerin Iris Manke-Reimers wagte sie eine Umstellung. Mareike Rittweg unterstützte Yemi bei der Reha des Knies, um ihr neues Vertrauen zu schenken. Mit Artur Hoppe holten sie sich einen erfahrenen Techniktrainer ins Boot. Iris stand bedingungslos hinter Yemis Entscheidung und begleitete sie treu auf ihrem Weg. Gemeinsam setzte sich das Team ein Ziel: die Olympischen Spiele 2024, ein Traum, der zu diesem Zeitpunkt noch weit entfernt schien. Mit dieser Vision vor Augen wagten sie die Umstellung, bei der alles von Grund auf neugestaltet werden musste. Die Umstellung erforderte Zeit und Geduld, doch das Team war entschlossen, sich einzuspielen und gemeinsam die Herausforderungen zu meistern.

Ein erster Lichtblick bot sich bei einem Bronze Meeting in Manchester. Yemi und Iris reisten nach Manchester, um internationale Erfahrungen zu sammeln. Yemi gewann den Wettkampf in Manchester und stieß die Kugel erstmals in einer Wintersaison über die 18-Meter-Marke. Das gab der Athletin der MTG Mannheim nicht nur Mut, sondern auch das Vertrauen, auf dem richtigen Weg zu sein. Die darauffolgende Sommersaison markierte für Yemi nicht nur eine erfolgreiche Reise von Wettkampf zu Wettkampf, sondern auch von Bestleistung zu Bestleistung. Die Sommersaison startete erfolgreich mit der Silbermedaille beim European Throwing Cup in Leiria (Portugal; 18,08 m). Bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften übertraf sie ihre alte Bestleistung von 18,14 Metern und sicherte sich den Titel mit 18,20 Metern. Ein paar Tage später auf den Halleschen Werfertagen setzte sie ihre beeindruckende Serie fort und erreichte mit 18,53 Metern eine weitere Bestleistung. Yemisi Ogunleye zeigte sich in Topform und setzte strahlende Akzente im deutschen Kugelstoßen.

Getreu ihrem Glaubensgrundsatz aus Lukas 18:27, "Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist mit Gott möglich", reiste die junge Athletin zum Pfingstsportfest in Rehlingen. Dort setzte sie ein weiteres Ausrufezeichen, indem sie nicht nur einmal, sondern gleich mehrmals die 19-Meter-Marke übertraf – 19,05 Meter, 19,08 Meter, 18,87 Meter und schließlich die beeindruckende Weite von 19,31 Meter. Seit 2019 hat keine deutsche Kugelstoßerin mehr die Marke von 19 Metern übertroffen. Ein denkwürdiger Wettkampf, der die Aufmerksamkeit aller Zuschauer auf sich zog und Yemis Lebensfreude im Ring widerspiegelte.

Als jahresbeste fuhr Ogunleye zu den Team-Europameisterschaften nach Chorzów (Polen) und gewann dort mit 18,85 Metern die Silbermedaille, erneut in einem international hochkarätigen Feld. Die Deutsche Meisterschaft und der Vizetitel waren weitere Meilensteine auf dem Weg zur Weltmeisterschaft in Budapest. Die Vorbereitungen waren intensiv, das Ziel klar: Die Finalteilnahme und die Bestätigung der persönlichen Bestleistung von 19,31 Metern sowie die Qualifikation für die Olympischen Spiele mit der Norm von 18,80 Metern. In der Qualifikation bei der Weltmeisterschaft in Budapest erreichte Yemi bereits im ersten Versuch mit 19,44 Metern ihren Wunsch einer Bestleistung. Ein lebensfroher Jubel begleitete ihre Qualifikation für das Finale, wo sie schließlich einen beeindruckenden 10. Platz in einem äußerst starken Feld von Kugelstoßerinnen sicherte.

Mit Blick auf die kommende Saison 2024 hat sich die Athletin klare Ziele gesteckt. Neben der Stabilisierung der Leistungen aus der vergangenen Saison plant sie die Teilnahme an den Hallen-Weltmeisterschaften und Europameisterschaften in Rom. Die Geschichte von Yemi ist nicht nur ein Comeback, sondern ein beeindruckendes Zeugnis für Entschlossenheit und Glauben. Mit Blick auf die Olympischen Spiele 2024 hat Yemi jetzt schon bewiesen, dass Träume auch dann greifbar werden können, wenn sie zunächst unerreichbar erscheinen.


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