Feuerwerk an guten Leistungen / Gold für Sailer und Bühler
  06.07.2009 •     BLV


Ulm (04./05.07.) – Ihrem Motto gerecht wurden die Deutschen Meisterschaften am vergangenen Wochenende im Ulmer Donaustadion. Vor rund 30.000 Zuschauern, davon 15.500 am Sonntag, feierten die deutschen Leichtathleten einen erfolgreichen Auftakt auf dem Weg nach Berlin. Viele spannende Entscheidungen und sichtbare Ausrufezeichen garniert mit zahlreichen hochklassigen Leistungen zeugten weiterhin von einem Aufwind der deutschen Leichtathletik. Und für einige wurde das Motto „Ulm macht die Weltmeister“ fast schon wahr. Zumindest konnten sie dank ihrer guten Ergebnisse noch auf den WM-Zug aufspringen. „Wir haben teilweise Weltklasse-Leistungen erlebt“, freute sich Herbert Czingon, DLV-Cheftrainer Field.

Für Baden gab es einen überraschenden Sieg durch Hürdensprinter Matthias Bühler, die erhoffte Goldmedaille durch Sprinterin Verena Sailer, aber auch eine etwas überraschende Niederlage für Speerwerferin Christina Obergföll. Insgesamt holten die BLV’ler fünf Medaillen, eine davon die Jugendstaffel der StG Mannheim-Hegau.

Schon der Samstag brachte vor 14.500 Zuschauern zahlreiche Glanzlichter. „Ich will überraschen“, hatte Tobias Unger (LAZ Salamander Kornwestheim/Ludwigsburg) im Vorfeld gesagt, und das ist ihm gelungen. In 10,18 sec verteidigte er nicht nur seinen Titel aus dem Vorjahr, sondern unterbot auch zum ersten Mal die WM-Norm von 10,21. Der Weitsprung war die Show des Sebastian Bayer, der einmal mehr seine Qualitäten als Meisterschaftsspringer zeigte. Mit seinem ersten Satz auf 8,14 m schockte er bereits die Konkurrenz so sehr, dass er es sich leisten konnte, die Versuche zwei und drei auszulassen. Im fünften Durchgang entflog der Bremer dann auf 8,49 m. Mit diesem Sensationssprung blieb der Hallen-Europameister nur fünf Zentimeter unter dem deutschen Rekord. Über 100m Hürden platzte bei seiner Freundin Carolin Nytra endlich der Knoten. In 12,78 sec lief die Bremerin neue Bestzeit, WM-Norm und auch Meisterschaftsrekord.

Sieg Nummer 14 in Folge, deutscher Titel Nummer drei in Folge – das war die Bilanz des Wochenendes von Ariane Friedrich (Eintracht Frankfurt) die mit 2,01 m erwartungsgemäß den Hochsprung gewann. Als vorletzte Springerin der Veranstaltung nahm Katja Demut (TuS Jena) beim Dreisprung Anlauf und flog nach Hop, Step und Jump im sechsten Durchgang auf 14,20 m - Erfüllung der A-Norm für die Weltmeisterschaften in Berlin. Pausen und Unterbrechungen störten die Kugelstoßerinnen in ihrem Wettkampfbetrieb. Am wenigsten Sand war dadurch bei der Wattenscheiderin Denise Hinrichs im Getriebe. Die Hallen-EM-Zweite gewann mit 19,06 m vor der Favoritin Nadine Kleinert (SC Magdeburg, 19,00). Mit dem ersten Wurf von Betty Heidler (Eintracht Frankfurt) war beim Hammerwurf alles entschieden. Die Weltmeisterin schleuderte das Wurfgerät auf 74,25 m und sicherte sich damit ungefährdet den fünften nationalen Titel in Folge.

Der Jugendliche Robert Hering (Jena) machte im 200m-Endlauf wahr, was er im Vorlauf versprochen hatte: In 20,41 sec ließ er die gesamte deutsche Sprintelite hinter sich. In starken 49,20 sec überquerte Thomas Goller (Wattenscheid) die Ziellinie nach 400m Hürden – A-Norm für die Weltmeisterschaften in Berlin. Mit 20,62 m konnte sich der Neubrandenburger Ralf Bartels beim Kugelstoßen recht deutlich gegenüber seinem ständigen Konkurrenten Peter Sack (Leipzig) durchsetzen und den siebten deutschen Meistertitel innerhalb von acht Jahren feiern. Vize-Weltmeister Robert Harting (SCC Berlin) zeigte deutlich, wer in Deutschland Herr im Ring ist: 67,69 m bedeuteten Platz eins und den dritten deutschen Titel in Serie. Der Stabhochsprung der Frauen war ein Wettkampf der Gegensätze. Während die Leverkusenerin Silke Spiegelburg nach erfolgreichen 4,65 m die neue deutsche Rekordhöhe von 4,78 m (vergeblich) attackierte, verbuchten mit den Mainzerinnen Anna Battke und Carolin Hingst zwei weitere deutsche Top-Springerinnen keinen gültigen Versuch.

Auch für die badischen Athleten gab es gleich am ersten Tag Grund zum Jubeln. In einem Finale furioso steigerten sich die Hürdensprinter auf breiter Front. Der Offenburger Matthias Bühler feierte bei etwas Rückenwind (+ 0,7 m/sec) seinen ersten großen Erfolg und verbesserte sich auf 13,36 sec. „Ich kann es noch gar nicht fassen, es ist echt Wahnsinn. Jetzt habe ich es wirklich geschafft, als Sieger habe ich das Ticket für Berlin sicher. Das Ziel habe ich vor der Saison gehabt, super das es jetzt geklappt hat. In Berlin will ich nun mein Bestes geben und auch wieder eine 30er Zeit laufen“, freute sich der Seigel-Schützling über seine Leistung.

Schon im Vorlauf über 100m hatten die Sprinterinnen richtig aufgedreht und Marion Wagner (USC Mainz; 11,24) und Verena Sailer (MTG Mannheim; 11,28) erfüllten die doppelt geforderte Sprintnorm. Mit vier weiteren Sprinterinnen unter 11,40 versprach das Finale Klasse-Zeiten, die dann auch prompt folgten. In 11,18 sec stellte Verena Sailer mit europäischer Jahresbestzeit eine neue Bestleistung auf, und setzte sich deutlich von der Konkurrenz ab. „Das ist absolut geil, dass ich unter 11,20 gelaufen bin. Da hat sich ein Traum erfüllt“ strahlte die Sprint-Königin nach dem Rennen. „Ja, das Wetter war heute auch für mich perfekt. Aber eigentlich ist es meine Überzeugung, dass - wenn man fit ist - bei jedem Wetter eine schnelle Zeit laufen kann. Nachdem Marion Wagner im Vorlauf schneller war als ich, habe ich nochmal einen Kick bekommen, denn Konkurrenz belebt das Geschäft! Die Zeit im Vorlauf hat mir wieder Sicherheit gegeben, da ist mir schon ein kleiner Stein vom Herzen gefallen. Was mein nächster Wunsch ist? Ich konzentriere mich nicht zu sehr auf die Zeit. Ich möchte vor allem, dass sich der Lauf gut anfühlt. Und deswegen möchte ich bei einem wichtigen Wettkampf, wieder so gut laufen, dass es sich wieder so gut anfühlt. Nächste Woche habe ich fünf Prüfungen an der Uni, aber ich glaube, dieser doppelte Druck der tut mir gut. Ich brauche das wohl.“

Die zweite Medaille innerhalb kürzester Zeit gab es für 100m-Siegerin Verena Sailer, die mit dem Mannheimer Quartett, das Dreispringerin Pia Dürr, Julia Sutschet und Isabell Thielmann vervollständigten, in 45,10 sec Dritte wurde.
Am zweiten Tag blieben die Badener ohne das erhoffte Gold. Christina Obergföll (LG Offenburg) musste sich mit 62,09 m ihrer Dauer-Konkurrentin Steffi Nerius (Leverkusen, 62,47) geschlagen geben. Während Christina alle vier Aufeinandertreffen der beiden in diesem Jahr für sich entschieden hatte, musste sie in Ulm der Leverkusenerin den Vortritt lassen. „Heute war so ein Tag, wo es gar nicht lief. Nach den ersten beiden Versuchen wusste ich, dass es heute nichts wird. Ich hatte einfach keine Spannung im Bein und konnte somit auch nicht weit werfen“, so die enttäuschte Offenburgerin, die sich aber trotzdem zuversichtlich zeigte: „Ich habe es trotzdem drauf, das weiß ich.“

Schade auch, dass 200m-Mitfavoritin Anne Möllinger (MTG) wegen muskulärer Probleme, wie schon tags zuvor bei der Staffel, auf ihren Start verzichten musste. Hatte sie sich doch über 100m im Vorlauf 11,34 sec gesteigert.
Für die einzige badische (Gold)Medaille am zweiten Tag sorgten somit die A-Jugendlichen der StG MTG Mannheim-Hegau über 3x1000m. Nachdem während des Rennes immer wieder die Führung zwischen Heilbronn, Tübingen und Erfurt wechselte, hielt sich das badische Trio mit Alexander Lang, Frederic Giloy und Timo Hoberg immer im Windschatten. Am Schluss hatte Timo die besseren Reserven und führte die badische Staffel zum Sieg in 7:24,25 min.
Auch hinter den Medaillenplätzen gab es einige sehr gute Leistungen durch Badener: Sascha Hördt (Weinheim) wurde mit Diskus-Bestleistung von 61,85 m ebenso Vierter wie Martin Seiler (Bad Schönborn) mit Dreisprung-Bestleistung von 15,62 m.

Die Plätze 4 – 8 im Überblick:
Platz 4: Mä: Drei – Martin Seiler (SG Bad Schönborn) 15,52 m; Diskus – Sascha Hördt (TSG Weinheim) 61,85 m; Fr: 3000m Hind – Carolin Lang (LCR Breisgau) 10:20,22 min;

Platz 5: Fr: 100m - Anne Möllinger (MTG) 11,45 sec (VL 11,34);

Platz 6: Mä: 5000m – Jan Förster (TV Rheinau) 14:36,57 min; Fr: 4x400m – StG Östringen/KA-Beierth. (Hoppe, Nagel, Maiwald, Walter) 3:46,46 min; Hoch – Jennifer Klein (MTG) 1,84 m;

Platz 7: Fr: 400m – Carolin Walter (SVK Beiertheim) 54,46 sec (VL 54,10); Drei – Pia Dürr (MTG) 13,16 m; Hammer – Melanie Motzenbäcker (MTG) 58,55 m;


Am Rande der DM notiert:

Hürdensprinterin Kirsten Bolm wurde im Rahmen der Deutschen Meisterschaften aus der Nationalmannschaft, überhaupt vom aktiven Sport, verabschiedet.

Im Nachgang zur Dreisprungkonkurrenz der Männer wurde Charles Friedek (Leverkusen) nachträglich disqualifiziert, weil er nicht zur Siegerehrung erschien.