12. Dezember: Carl Dohmann

  12.12.2023    BLV
Beim BLV-Adventskalender 2023 öffnet sich bis zum 24. Dezember täglich ein Türchen, hinter dem sich ein Athleten-Portrait verbirgt. Traditionell finden die Rück- und Ausblicke unserer Athletinnen und Athleten ihren Weg ins BLV-Jahrbuch – in diesem Jahr werden sie zusätzlich in zufälliger Reihenfolge als Adventskalender präsentiert.

Carl Dohmann

SCL Heel Baden-Baden

35 Kilometer Gehen Jahresbestleistung – 2:30,16 Stunden
WM Budapest – Teilnehmer 35 Kilometer Gehen
Team-EM – 3. Platz 35 Kilometer Gehen
Team-EM – 7. Platz Einzelwertung
Deutscher Vizemeister 35 Kilometer Gehen
Deutscher Vizemeister 10.000 Meter Bahn-Gehen
Süddeutscher Meister 20 Kilometer Gehen

Gerne hätte Carl Dohmann bei der WM in Budapest an seine Erfolge bei der Hitze WM von Doha (7. Platz) oder der EM von München (8. Platz) angeknüpft. In Budapest lief es aber überhaupt nicht rund. Erst Erschöpfung, dann Kreislauf, schließlich nach 26 von 35 Kilometern ausgestiegen. Erst konnte Carl nach optimaler Vorbereitung und besten Trainingswerten den Einbruch nicht nachvollziehen. Zwei Tage später war er Corona positiv, was so einiges im Nachgang erklärte.

Grundsätzlich werden die Zeiten für die Geher aber ziemlich ungemütlich. Erst wurden die 50 Kilometer aus dem Programm gestrichen, im kommenden Jahr fallen bei den Olympischen Spielen auch die 35 Kilometer weg. Für die Langstreckengeher heißt es mithin über 20 Kilometer „Sprinten“ lernen. Denn auf der kurzen Strecke ist das Tempo ungleich höher.

Wie wirst Du Dich auf 20 Kilometer vorbereiten? Zuerst geht es darum, auf sehr kurzen Distanzen meine Grundschnelligkeit zu verbessern und dann darum, dieses Tempo fast ohne Abstriche immer länger durchzuhalten. Mein Trainer Robert Ihly hält selbst noch den Badischen Rekord über 20 Kilometer, er kann mich da ganz gut leiten.

Was sind Deine Ziele? Das große Ziel ist, mich zum dritten Mal für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Darüber hinaus stehen noch zwei weitere internationale Meisterschaften an: Die Team-WM im April in Antalya und die EM Anfang Juni in Rom. Nach mehreren Enttäuschungen möchte ich nun wieder an meine alte Stärke anknüpfen, mein Leistungsvermögen auch in die entscheidenden Wettkämpfe zu bringen.

Im kommenden Jahr wirst Du 34 und willst Dich jetzt auch beruflich orientieren, wo siehst Du Deine Zukunft? Nach meinem Studium habe ich zunächst versucht, als Journalist Fuß zu fassen. Mittlerweile habe ich aber eingesehen, dass das neben dem Leistungssport ein aussichtsloses Unterfangen ist und sich daran so schnell nichts ändern wird. Deshalb habe ich im Oktober im Fernstudium eine Weiterbildung als PR-Referent angefangen, aber weiterhin mit journalistischem Schwerpunkt. Aktuell bin ich auf der Suche nach einer Halbtagsstelle, die ich neben dem Training machen kann.

Gehen gilt in Deutschland als wenig attraktiv. Sind ständige Änderungen am Reglement und den Strecken geeignet, um den Sport zu fördern? Nein, definitiv nicht. Vor allem die immer weitere Verkürzung der Strecken bewirkt das Gegenteil von dem, was es soll, nämlich den Sport attraktiver zu machen. Mittlerweile glaube ich tatsächlich, dass es das Ziel internationaler Verbände ist, Sportarten zu zerstören, die ihnen keinen Profit bringen. Dagegen muss der Sport sich wehren.

Bernd Hefter / blv