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Montag 06. Juni 2016  ::  12:12
BLV

Carl Dohmann geht nach Rio

-- Kolumne im Badischen Tagblatt (BT) --

Teil 7

Die Generalprobe für die Olympischen Spiele ist vorbei, und sie kann sich sehen lassen: Beim Weltcup in Rom ging ich am 7. Mai über 20 Kilometer auf Platz 15, in der Team-WM-Wertung erreichte ich mit den Potsdamern Christopher Linke und Hagen Pohle einen hervorragenden vierten Rang – hinter China, Kanada und Ecuador, also als beste europäische Mannschaft. Trotz nicht einfacher Bedingungen erreichte ich in 1:21:26 Stunden eine neue persönliche Bestzeit und war fünftbester Europäer in dem Feld – eine deutliche Verbesserung im Vergleich zum 13. Platz beim Europacup im vergangenen Jahr. Noch besser in Rom war Linke als Zehnter, der die 20 Kilometer auch in Rio gehen wird, wie auch seine Vereinskollegen Nils Brembach und Pohle, der vielleicht sogar beide Strecken macht, während ich mich dort auf die 50 Kilometer konzentriere.
Mein Ergebnis beim Weltcup auf der kürzeren Distanz stimmt mich zuversichtlich für mein Olympia-Debüt. Und trotzdem ist bis dahin noch ein weiter Weg zu gehen. Einige Trainingskilometer und ein Höhentrainingslager im Juli in Bulgarien muss ich noch absolvieren, damit ich am 19. August in Rio in Form bin.

Lange ist es nicht mehr hin bis zum großen Höhepunkt. Doch Wettkämpfe wie die Team-WM sind eine gute Gelegenheit, auch mal ein kurzes Zwischenfazit zu ziehen: Für mich ist die Saison bisher gut verlaufen. Vor allem bin ich froh, dass ich meine gute Form im Wettkampf zeigen konnte und dass wir auch als Team ein Achtungszeichen setzen konnten. Vierter bei der Weltmeisterschaft, das ist kein Ergebnis, das man jeden Tag erzielt.

Zum anderen hat man aber auch gesehen, wie weit verbreitet das Gehen auf hohem Niveau mittlerweile ist. Dass beim Weltcup oder bei Weltmeisterschaften Teilnehmer aus allen Kontinenten dabei sind, ist nichts neues. Dass aber aus so vielen Ecken der Erde Geher kommen, die 20 Kilometer in 1:20 bis 1:22 Stunden oder schneller gehen können, ist der Zwischenstand einer Entwicklung, die in den letzten Jahren rasant zugenommen hat. Vor allem die südamerikanischen Länder haben deutlich zugelegt, aber auch Kanada, Mexiko und zum Beispiel Indien – neben den europäischen Ländern und China, Japan und Australien, die schon seit längerem viele Weltklassegeher haben.

Den zweiten, für mich freien Wettkampftag, nutzte ich, um mir noch die 50 Kilometer anzuschauen und zwischen Kolosseum und Circus Maximus etwas Sightseeing zu machen. Als ich dabei über die antiken Straßen beim Forum Romanum stapfte, sah ich die kurze Kopfsteinpflasterpassage, die wir im Wettkampf hatten, im Nachhinein deutlich gelassener. Insgesamt war das Wochenende schon ganz schön kräfteraubend, besonders natürlich durch den Wettkampf. Nach all dem Training macht es auch Spaß, seine ganze Energie dann auf einmal rauszulassen.

Die Quittung bekam ich allerdings wenige Tage später, als ich mir eine hartnäckige Erkältung zuzog. Nachdem ich einige Tage pausierte, ging es mir wieder deutlich besser, und so entschied ich, trotzdem an der Deutschen Meisterschaft über 20 Kilometer teilzunehmen. Also startete ich am 22. Mai in Naumburg – merkte aber bereits in den ersten Runden, dass ich nach der Krankheit doch noch nicht fit genug war, wieder einen Wettkampf zu machen. So stieg ich bereits im sechsten Kilometer aus, um kein Risiko einzugehen. Die Olympia-Vorbereitung geht schließlich vor. Etwas  schade um den Wettkampf zwar, aber der wichtigere war in Rom – und der ganz wichtige kommt noch. Und für diesen war es wichtig, schnell wieder ins Training einzusteigen.

Einen Wettkampf werde ich vor den Olympischen Spielen aber noch machen, und zwar zu Hause (na ja, so gut wie): Am 11. Juni, also kommenden Samstag, finden im Mittelbergstadion in Bühlertal die Deutschen Gehermeisterschaften auf der Bahn statt. Ich werde über 10000 Meter am Start sein und hoffe auf eine Medaille in der Männerwertung. Eine Gelegenheit für jeden Mittelbadener, sich das Gehen vor den Olympischen Spielen mal aus nächster Nähe anzuschauen!


 
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