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Montag 07. Dezember 2015  ::  08:57
BLV

Carl Dohmann geht nach Rio

-- Kolumne im Badischen Tagblatt (BT) --

Teil 2

Haben Sie schon mal bei 35 Grad einen Ausdauersport betrieben? In der prallen Sonne? Dann haben Sie vielleicht eine Vorstellung davon, was es heißt, 20 Kilometer oder mehr in dieser Hitze am Stück zu gehen, mit einem Tempo von etwa 11 Kilometern pro Stunde. Aber genau das habe ich die letzten Tage gemacht. Vielleicht erinnern Sie sich an unsere letzte Begegnung Anfang Oktober, als ich mich an dieser Stelle als Geher vorgestellt habe. Wenn nicht, ist das auch kein Problem, denn ich werde mich jeden Monat einem anderen Thema widmen, sodass Sie jederzeit bequem einsteigen können.

Sie haben sich vermutlich gefragt, wie ich bei so hohen Temperaturen unterwegs sein konnte, wenn es in der Heimat doch eher angebracht schien, sich in eine dicke Jacke einzuhüllen (oder zumindest in eine dünne). Das liegt daran, dass ich Ende November für knapp zwei Wochen ins Trainingslager nach Südafrika aufgebrochen bin, wo gerade ein sehr warmer Frühling herrscht. Hier kommen zur Zeit die meisten der besten deutschen Leichtathleten zusammen, um die Olympiasaison einzuleiten. Sie alle machen sich Hoffnungen für die Spiele in Rio, für die ich als erster die Norm bereits erfüllt habe. Der zweite ist mein Zimmergenosse Hagen Pohle, der sich ebenfalls im 50 Kilometer Gehen qualifiziert hat. Die weiteren Geher unter den vielen Athleten, die im Moment hier in Stellenbosch weilen, sind Christopher Linke und Nils Brembach (alle drei für den SC Potsdam aktiv).

Trainingstechnisch sind wir gerade im Aufbau, von der Wettkampfform sind wir noch weit entfernt. Das ist auch gut so: Kein Sportler ist in der Lage, das ganze Jahr über in Topform zu sein. Deshalb sollten wir jetzt gerade nicht versuchen, möglichst schnell wieder in gute Verfassung zu kommen, sondern in den kommenden Monaten in Ruhe verschiedene Grundlagen legen. Jetzt geht es zum Beispiel vorrangig darum, körperliche und technische Defizite abzubauen und durch Krafttraining belastbarer zu werden. Im Winter muss vor allem die Ausdauerleistung verbessert werden, im Frühling arbeite ich an meiner Schnelligkeit. Das heißt nicht, dass ich jeweils komplett anders trainieren werde: Lange Strecken, Tempo- und Krafttraining mache ich zu jeder Jahreszeit, nur der Schwerpunkt wird jeweils anders liegen.

Wann ich 2016 meinen ersten Wettkampf bestreiten werde, ist zur Zeit noch offen. Im Moment hängt alles noch davon ab, wann und wo der Weltcup beziehungsweise die Team-WM der Geher stattfinden finden wird. Das hängt nun in der Schwebe, weil der ursprüngliche Austragungsort in Russland zurückziehen musste – wegen des dopingbedingten Ausschlusses der russischen Leichtathleten von der Wettkampfbühne auf unbestimmte Zeit. Wie auch immer ich die Saison im Detail gestalte, in Topform muss ich Mitte August sein – zu den Olympischen Spielen.

Um im Moment also athletischer zu werden, nutzen wir hier fast jeden Nachmittag den Kraftraum, nachdem wir vorher zum Beispiel zehn Kilometer gelaufen sind (ja, wir joggen auch öfters im Training). Morgens legen wir außerdem eine längere Geheinheit zurück. Selten haben wir die Möglichkeit, im Trainingslager auch etwas vom Land zu sehen, weil wir den größten Teil der freien Zeit brauchen, um uns vom Training zu erholen. Neulich hatten wir Geher an einem Ruhetag aber doch die Möglichkeit, einen längeren Ausflug zu machen. Diesen verbanden wir mit guter Hoffnung, und das aus zwei Gründen: Einerseits war das Ausflugsziel der Kap der Guten Hoffnung, der nicht weit von Stellenbosch entfernt liegt. Aus diesem Grund hofften wir andererseits, rechtzeitig zum Abendessen zurück zu sein. Der Ausflug erwies sich als sehr lohnenswert, die Rückkehr lief allerdings nicht nach Wunsch: Wir standen stundenlang im Stau und kamen deutlich verspätet zurück. Zum Glück gab es aber noch ein paar Reste zu essen, sodass wir doch noch satt wurden.
Ich melde mich nun erst wieder Anfang des neuen Jahres. Kurz danach wird bereits das nächste Trainingslager stattfinden – erneut in Südafrika, aber diesmal in etwa 2000 Meter Höhe, in Dullstroom. Bis dahin wünsche ich Ihnen eine frohe Weihnachtszeit und einen guten Rutsch!


 
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