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Mittwoch 01. Februar 2012  ::  22:05
BLV
Leichtathletik-Historie

Sechs Deutsche Meisterschaften in der Karlsruher Europahelle

Zum siebten Mal finden am 25./26. Februar 2012 in der Karlsruher Europahalle Deutsche Hallenmeisterschaften statt. Klaus Hannecke lässt in diesem Betrag die vergangenen sechs Auflagen nochmals Revue passieren.

34. DM – 6./7. Februar 1987

Gelungene Premiere! Nicht nur der damalige DLV-Präsident Dr. Munzert war voll des Lobes. „Die Europahalle ist eine Bereicherung für die deutsche Leichtathletik.“ Dazu passt, dass die Halle am Samstag mit 5000 Zuschauern erstmals bei einer Leichtathletik-Veranstaltung ausverkauft war.
Die Heidelbergerin Ulrike Sarvari (VfL Sindelfingen) avancierte mit drei Sprintsiegen zur „Hallenkönigin“. Kugelstoß-Olympiasiegerin Claudia Losch (LC München) glänzte mit 20,75 m. Christian Haas (LAC Quelle Fürth) holte sich seinen siebten Sprinttitel. Brigitte Kraus (ASV Köln) lief deutschen 3000m-Rekord in 8:56,45 min. Ihre Titelsammlung erhöhte sie damit auf 59! – eine Leistung, die im DLV unerreicht bleiben wird.
Eine Badener aus Graben-Neudorf, Rolf Kistner, für den TV Wattenscheid startend, sprintete bei seinem „Heimspiel“ auf seiner Trainingsbahn zur 200m-Meisterschaft.
Pfiffe erntete Carlo Thränhardt (Bayer Leverkusen), der nach seinem Siegessprung (2,34 m) die Weltrekordhöhe von 2,42 m auflegen ließ. Allerdings dann nicht mehr anlief! Das Publikum, das die Staffelläufer anfeuerte, habe ihn in seiner Konzentration gestört.
Die Absicht des DLV, sich für die Hallen-EM 1989 in der Europahalle einzusetzen, verlief im Sand.

39. DM – 8./9. Februar 1992

Tolle Stimmung der 8000 Zuschauer, dazu sportliche Höhepunkte. Heike Henkels Weltrekordsprung überragte alles; die 2,07 m sind heute noch deutscher Rekord. Dieter Baumanns Läufe wurden von den begeisterten Zuschauern mit „La-Ola-Wellen“ begleitet. Der „Schwabenpfeil“ war innerhalb einer Stunde über 1500m und 3000m Erster im Ziel. Hochspringer Ralf Sonn (TSG Weinheim) – 2,35 m – und Hürdensprinterin Gabi Lippe-Roth - 8,15 sec – holten zwei Titel nach Baden. Übrigens gab erstmals Weitspringerin Heike Drechsler (TuS Jena) ihre Visitenkarte (1. mit 7,03 m) in Karlsruhe ab.
Überschattet wurden die glanzvollen Meisterschaften von der Dopingaffäre Krabbe, Breuer, Möller. Sie sollten Urinproben im Trainingslager in Südafrika manipuliert haben. Vom DLV zunächst gesperrt, erzwangen sie ihr Startrecht per Einstweiliger Verfügung. Die Ex-DDR-Stars vom SC Neubrandenburg zeigten sich indessen unbeeindruckt vom Hin und Her und siegten mühelos: Katrin Krabbe in 7,11 sec, Grit Breuer in 22,71 sec.

43. DM – 24./25. Februar 1996


In Bezug auf Organisation und Leistungen war man zufrieden, nicht jedoch mit nur 7000 Zuschauern. Sprinterin Melanie Paschke (TV Wattenscheid) stand drei Mal ganz oben auf dem Siegerpodest. Astrid Kumbernuss (SC Neubrandenburg) war eine Klasse für sich. Die Olympiasiegerin erzielte 20,25 m (Weltjahresbestweite). Nico Motchebon (LAC Quelle Fürth) wurde zum vierten Mal 800m-Meister. Zwei deutsche Rekorde wurden verbessert. Axel Noack (OSC Berlin) erreichte im 5000m Bahngehen 18:37,70 min. Das Ehepaar Lobinger (Bayer Leverkusen) war besonders erfolgreich. Petra landete nach hop-step-jump bei der Rekordmarke von 14,15 m, während sich Tim mit 5,75 m ebenfalls in die Meisterliste eintrug.
Die badischen Leichtathleten feierten zwei Mal: Ralf Sonn sprang 2,26 m hoch; Heike Tillak (MTG Mannheim) war Schnellste (7,99 sec) über 60m Hürden.

46. DM – 20./21. Februar 1999

Weltklasseleistungen, spannende Wettkämpfe, perfekte Organisation waren die Merkmale. Der DLV vergab Bestnoten: „Die Europahalle habe bei Athleten, Zuschauern (9500; Sonntag ausverkauft) und Sponsoren großen Eindruck hinterlassen und die Messlatte für künftige Veranstaltungen deutlich hoch geschraubt.“
Der „Stabhochsprungkrimi“ endete mit Sieg und deutschem Rekord von Dany Eckert (Bayer Leverkusen), der vielumjubelt 5,90 m überquerte. Die Nächstplatzierten übersprangen ebenso Weltklassehöhen: Tiwontschik 5,85 m, Lobinger 5,80 m, Otto 5,70 m. Nicole Rieger-Humbert (ASV Landau), mit maßgeblichem Anteil an der Entwicklung des Frauen-Stabhochsprungs, überflog mühelos 4,45 m. Die Frauen der LG Olympia Dortmund egalisierten den elf Jahre alten 4x200m-Weltrekord (1:32,55 min). Heike Drechsler, in Karlsruhe wohnhaft und für ABC Ludwigshafen startend, sprang 6,76 m weit und gewann.

53. DM – 25./26. Februar 2006

Die fünfte Auflage war sowohl in der Gunst der Zuschauer, es kamen nur 6300, wie auch bei den Leistungen durchschnittlich schwach: Sprünge, außer Stabhoch, sowie längere Laufstrecken. Das Niveau der bisherigen Meisterschaften wurde längst nicht erreicht.
Kugelstoßer Ralf Bartels (SC Magdeburg) überragte; er wuchtete das Gerät auf 21,43 m – drittbeste Hallenweite eines Deutschen.
Erstklassig waren die Leistungen der Stabhochspringer: Lobinger 5,80 m, Schulze und Otte 5,75 m. Die Männer des TV Wattenscheid verbesserten den 21 Jahre alten deutschen Rekord über 4x200m auf 1:23,98 min.
Badens Ehre rettete Kirsten Bolm (MTG Mannheim), die den 60m-Hürdenlauf mit sehr guten 7,94 sec gewann.

57. DM – 27./28. Februar 2010

Tolle Stimmung, insgesamt 9400 Zuschauer, Sonntag ausverkauft. Leider zeigten die Fernsehsender wieder einmal kein Interesse an der Leichtathletik; eine Übertragung fiel aus.
Ihr große Klasse demonstrierten die Kugelstoßer Ralf Bartels (21,02 m) und sein Widersacher David Storl (LG Chemnitz) – 20,79 m, dessen enormes Potential schon damals auffiel.  Die Meister der Sprungwettbewerbe überzeugten: Malte Mohr (LG München) 5,70 m, Martin Günther (Eintracht Frankfurt) 2,30 m, sowie der Karlsruher Student Christian Reif (ABC Ludwigshafen) – 8,10 m.
Die Frauen setzten sich noch besser in Szene. Carolin Nytra (LT Bremen) stellte mit glänzenden 7,89 sec einen neuen Meisterschaftsrekord über 60m Hürden auf. Der deutsche Hochsprungstar Ariane Friedrich (Eintracht Frankfurt) musste ihr ganzes Können aufbieten, um sich mit hervorragenden 2,02 m gegen Meike Kröger (LG Nord Berlin) – 2,00 m durchzusetzen. Zwei Sprünge reichten Carolin Hingst (USC Mainz) zur Meisterschaft im Stabhochsprung (4,60 m). Mit gleicher Höhe belegte Kristina Gatschiew (LAZ Zweibrücken) Rang zwei. Anne Möllinger (MTG) dominierte die beiden Sprintstrecken.
Nach Expertenmeinung befand sich die deutsche Leichtathletik in einer „Läuferkrise“. Auf den Strecken von 400m bis 3000m wurde lediglich „Magerkost“ geboten.


 
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