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Montag 17. Juli 2006  ::  02:19

Deutsche Meisterschaften in Ulm

Von:Ralf Wohlmannstetter

Souveränes Gold für Hürdensprinterin Kirsten Bolm / Martin Günther mit 2,23 Meter überraschend Vizemeister / Silber für Christina Obergföll im hochklassigen Speerwurfduell / Bronze für Karlsruher Frauen-Staffel

Ulm (14./15.07.) - Der erste Tag der Deutschen Meisterschaften in Ulm stand bei guten und sonnigen, aber auch etwas windigen Bedingungen im Zeichen der Hürdensprints, eines spannenden Speerwurf-Duells und eines Stabhochsprung-Pokers um die EM-Tickets nach Göteborg (Schweden). Die Leistungen auf der Bahn blieben am Samstag insgesamt aber etwas im Schatten der technischen Disziplinen. Auch am zweiten Tag blies der Wind durch's Stadionrund, aber die Leistungen der deutschen Leichtathleten stellten die Auftritte des Vortages klar in den Schatten. Einige Kandidaten sprangen, warfen und liefen sich noch in den Kreis der EM-Kandidaten.

Für die erste Medaille des BLV sorgte am Samstag kurz vor 19 Uhr Hürdensprinterin Kirsten Bolm von der MTG Mannheim. Vom Start weg lag die Favoritin auf der 100m Hürdenstrecke in Front und siegte souverän in 12,84 sec. "Mein Start war gut, danach fehlte mir aber etwas die Kraft - der Vorlauf war durch den Gegenwind doch sehr kräftezehrend. Schade, gerne hätte ich dem Publikum heute eine bessere Zeit geboten." Trotzdem untermauerte die 31-Jährige ihre Vormachtstellung im Hürdensprint  in Deutschland eindrucksvoll.

Kurz danach fiel die Entscheidung beim Speerwerfen der Frauen. Hier bekamen die Zuschauer ein hochklassiges Duell auf Weltklasseniveau geboten. Christina Obergföll (LG Offenburg) erreichte im zweiten Versuch 64,02 m und setzte sich damit an die Spitze des Feldes. Doch Vorjahresmeisterin Steffi Nerius konnte kontern und ging als Führende in den Endkampf. Dort konnte sich Christine zwar nochmals geringfügig auf 64,07 m steigern, doch die Leverkusenerin nicht mehr gefährden. Diese schleuderte im letzten Versuch ihren Speer noch auf 65,71 m. "Ich bin voll zufrieden. Zweimal über 64 Meter habe ich bisher noch in keinem Wettkampf geworfen. Mein Ziel ist jetzt, mehr Stabilität in meine Würfe zu bringen" freute sich Christina auch über den zweiten Platz.

Für den Höhepunkt am zweiten Tag aus badischer Sicht sorgte Hochspringer Martin Günther vom TV Wehr. Mit 2,16 m war der Youngster angereist, von der Papierform nicht gerade eine Medaille erwartend. Doch an diesem Tag lief beim ehemaligen U18-Weltmeister alles perfekt zusammen. Bis 2,14 m hatte er keinen Fehlversuch, die 2,17 m sprang er im zweiten Versuch, die anschließenden 2,20 m dann wieder im ersten. Zusammen mit dem Titelverteidiger Eike Onnen lag er bis 2,23 m gleichauf, doch diese Höhe meisterte der Hannoveraner im ersten Versuch. Da wurde es schwer für Martin Günther - doch im dritten Versuch flog er über die 2,23 m - Bestleistung um zwei Zentimeter gesteigert und die sichere Vizemeisterschaft in der Tasche. Da war der Jubel groß. Die anschließende neue deutsche Bestleistung von 2,26 war dann für beide Springer zu hoch. "Ich fühle mich phantastisch, aber kaputt. Es waren viele Sprünge - doch ich bin überglücklich", freute sich der Wehrer nach dem Wettkampf. "Ich wusste dass ich höher springen kann als meine diesjährige Besthöhe von 2,16. Die 2,20 m wollte ich auf jeden Fall - dass es dann 2,23 m wurden und noch die Vizemeisterschaft gleichauf mit dem Sieger, ist umso besser!"

Mit vier Medaillen fiel das Ergebnis des BLV aber deutlich geringer aus als erwartet. Erfolg und Pech lagen für das MTG-Frauenteam von Rüdiger Harksen an diesem Tag dicht beisammen. Auf Grund einer Leistenzerrung konnte Johanna Kedzierski verletzungsbedingt in beiden Sprintstrecken nicht antreten. Damit fiel auch die Staffel aus, die sich als Titelverteidiger auch in diesem Jahr Chancen auf eine Medaille ausgerechnet hatte. Einen weiteren Ausfall verzeichnete der BLV über 3000m Hindernis. Stephan Hohl laboriert nach einer Meldung der "Pforzheimer Zeitung" an einer Verletzung am Iliosacralgelenk.
"Eigentlich haben wir zu der Zeit schon zwei Medaillen", mit diesen Worten betrat BLV-Sportwart Roland Frey am Samstagvormittag die Sitzung der Landesverbands-Sportwarte. Was er meinte, wussten alle die früh morgens schon im Donaustadion waren und die beiden gemeldeten badischen Bahngeher vergeblich im Rund gesucht hatten. Am Ende der Titelkämpfe war BLV-Vize Frey mit den Leistungen und Platzierungen der angetretenen Athleten aber doch recht zufrieden. "Was uns fehlt ist die zweite Reihe dahinter," so der BLV-Sportwart, "wenn ein paar unserer Top-Athleten fehlen, können keine anderen diese Lücken füllen." Neben den Medaillengewinnern sah er aber erfreut auch einige Platzierungen dahinter.

Als erste aus Baden griff am Samstag Melanie Motzenbäcker (MTG Mannheim) um die Mittagszeit in das Wettkampfgeschehen ein. Mit 59,73 m verpasste sie aber als Neunte knapp den Endkampf der besten Acht. Fast gleichzeitig stand Annabella Scherer (LG Hohenfels) beim Hochsprunganlauf. Bis einschließlich 1,80 m sprang sie alle Höhen im ersten Versuch. Doch dann scheiterte sie drei Mal an 1,84 m, was Einstellung ihrer Bestleistung und mindestens Platz fünf bedeutet hätte. So blieb am Ende nur der siebte Rang für die Südbadenerin.

Nicht ganz zufrieden war auch ihre Vereinskameradin Marianne Schlachter nach dem Dreisprungwettkampf. Die Hohenfelserin, die das ganze Jahr über in den USA verbringt, sprang im ersten Versuch 12,57 m weit und erreichte als Siebte den Endkampf. Dort konnte sie sich aber nicht mehr steigern und wurde am Ende Achte.

Danach gab es zuerst einmal einige Vorläufe mit badischer Beteiligung. Kirsten Bolm wurde ihrer Favoritenrolle gerecht und gewann mit der schnellsten Vorlaufzeit von 13,00 sec. Ihre Vereinskameradin Julia Müller-Foell wollte sich über die 400m Flachdistanz noch für die 4x400m DLV-Staffel für die U20-WM empfehlen, zeigte sich nach zu langsamen Beginn und 55,31 sec aber nicht zufrieden. "Ich wollte eine 54er-Zeit laufen." Trotzdem qualifizierte sie sich für das Finale, verzichtete aber vor den demnächst anstehenden deutschen Jugendmeisterschaften auf eine Teilnahme.

In der nächsten Entscheidung musste sich Sascha Hördt (TSG Weinheim) beim Diskuswerfen mit 54,89 m begnügen, die er im sechsten Versuch erzielte. Rang sieben stellten den Modellathleten nicht zufrieden. Den Abschluss des ersten Tages bildeten die Staffeln über 4x100m. Die Männer der MTG Mannheim konnten sich im zweiten Zeitendlauf in 41,07 m auf Rang zwei platzieren. Am Ende ergab das für Waldemar Graf, Marc Rieß, Andreas Huber und Robin Eberius den sechsten Platz.

Auch am zweiten Wettkampftag gab es noch einige gute Platzierungen für die Badener. Im 200m-Endlauf der Frauen lag Sabrina Mulrain (MTG) im Ziel nach 24,24 sec als Fünfte ganz knapp vor Angela Fleig (USC Freiburg, 24,26). In den Vorläufen waren die beiden etwas schneller gewesen: Angela sprintete 24,09, Sabrina 24,11. Auf Rang sieben kam Felizitas Mensing (LV Biet) im 3000m Hindernislauf in 10:53,06 min. Ebenfalls Siebter wurde Kugelstoßer Marco Schmidt (LC Pforzheim), der sich über eine neue Bestleistung von 18,11 m freuen konnte.

Für einen unerwarteten glänzenden Schlusspunkt der Meisterschaften sorgten die jungen Damen der LG Karlsruhe in der 4x400m-Staffel. Evelyn Storz, Cornelia Moll, Larissa Kaufmann und Carolin Walter gewannen in 3:45,62 min den ersten Zeitendlauf nach einer furiosen Aufholjagd. Danach hieß es für die vier und ihren Anhang Warten auf die Ergebnisse des zweiten Zeitendlaufs. LG Nike Berlin war in 3:39,38 min deutlich schneller, dahinter holte sich die LG Kindelsberg Kreuztal in 3:43,74 min Silber und die dritte Staffel war in 3:46,41 min schon langsamer als die Karlsruherinnen, die damit Bronze gewannen und über diesen unerwarteten Erfolg natürlich überglücklich waren. Die Männer konnten es im abschließenden Wettbewerb ihren Vereinskameradinnen nicht nachtun und belegten in der Besetzung Roland Rößler, Sascha Grübel, Robert Rissmann und Hauke Hein in 3:17,63 min den sechsten Platz.

Drei Jugendstaffeln in den Finals

Traditionell werden bei den Meisterschaften der Aktiven immer auch die deutschen Jugendmeister in den Langstaffeln ermittelt. Drei BLV-Teams konnten sich für die Finals qualifizieren, zwei davon kamen unter die besten acht.
Jeweils den siebten Platz belegten die Mädchen des Karlsruher SC und vom TSV Baden Östringen. Über 3x800m liefen die KSC-Mädchen Carolin Winterwerber, Gundula Schirmer und Marion Leiberich 6:52,23 min. Über 4x400m kamen die Östringerinnen Judith Horak, Christin Eschelbacher, Stefanie Groh und Janina Lehnkering 3:59,67 min.

BLV-Staffelmeisterschaften der Schüler und Senioren

Und noch einmal gab es Staffelentscheidungen im Donaustadion. Erstmals wurden im Vorfeld des zweiten Tages der DM die badischen und württembergischen Staffelmeister bei den Schüler/innen und Senioren über 3x1000 bzw. 3x800m ermittelt. Während bei den Schülerinnen und Schüler einige Staffeln den Weg nach Württemberg gefunden hatten, stellten sich bei den Senioren nur eine Staffel, bei den Seniorinnen gar keine dem Starter.

Die Titel eines badischen Staffelmeisters holten:
3x1000m:
Schü B: SV Liggersdorf (Haas, Betz, Hahn) 10:05,97 min;
Schü A: LG Konstanz (Studerus, Hensel, Matern) 9:31,34 min;
3x800m:
Schi b: DJK Hockenheim (Baumann, Scholl, Scholl) 8:01,35 min;
Schi a: LG Karlsruhe (Hettich, Roller, Rieger) 7:32,63 min.


 
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